Rede Schrank: Die Scham muss die Seite wechseln / Akt. halbe Stunde
„Die Scham muss die Seite wechseln“ – Opfer schützen und Gewalt im Bezirk bekämpfen
Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleg*innen und liebe Gäste,
vielen Dank, dass dieses Thema heute hier den notwendigen Raum erhält. Gewalt gegen Frauen – und ihre konsequente Verhinderung – darf eigentlich kein anlassbezogenes Thema sein. Sie muss dauerhaft präsent sein: im Alltag, in Bildungseinrichtungen, am Arbeitsplatz und in der politischen Verantwortung. Es darf nicht erst die nächste Schlagzeile sein, die uns aufrüttelt. Der Handlungsdruck ist strukturell – nicht situativ.
Der Mut von Gisèle Pelicot steht für den Titel dieser Aktuellen Stunde: Die Scham muss die Seite wechseln. Gisèle Pelicot hat Unvorstellbares erlitten und dennoch öffentlich gemacht, was allzu oft im Verborgenen bleibt. Und genau das ist der Punkt: Sie ist kein Einzelfall. Wir müssen nicht nach Frankreich schauen – die Realität liegt vor unserer eigenen Haustür.
Die Zahlen aus Deutschland, aus Hamburg und auch aus unserem Bezirk zeigen ein erschreckend hohes Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt. Und wir wissen: Das ist nur das Hellfeld. Das Dunkelfeld ist erheblich größer. Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen – sie ist ein strukturelles Problem.
Daraus folgt zwingend: Beim Opferschutz darf es keine Abstriche geben – weder bei Beratungsstellen noch bei Frauenhäusern. Diese Strukturen sind kein „Sozialangebot“, sondern elementarer Bestandteil von Schutz, Prävention und Rechtsstaatlichkeit. Einsparungen an dieser Stelle sind und bleiben fachlich falsch und politisch unverantwortlich.
Gleichzeitig müssen wir früher ansetzen. Gewalt entsteht nicht erst im Erwachsenenalter. Einstellungen, Rollenbilder und Verhaltensmuster entwickeln sich früh. Prävention beginnt in Kitas und Schulen. Wir brauchen dort ausreichend qualifiziertes Personal, das in der Lage ist, Themen wie Gleichberechtigung, Grenzachtung, Sprache und Konfliktverhalten altersgerecht und professionell zu vermitteln. Prävention ist kein Zusatz – sie ist Kernaufgabe.
Ein weiterer, oft unterschätzter Bereich ist die digitale Gewalt. Beleidigungen, Bedrohungen, sexualisierte Übergriffe im Netz – sie treffen überproportional häufig Mädchen und Frauen. Die Folgen sind real, auch wenn die Tat im digitalen Raum stattfindet.
Aus meiner Praxis weiß ich, wie massiv diese Form der Gewalt ist – und dennoch wird sie gesellschaftlich und politisch noch immer nicht ausreichend ernst genommen. Warum reagieren wir immer erst auf eskalierte Einzelfälle, statt strukturell zu denken und zu handeln?
Deshalb braucht es Klarheit in der Ausrichtung:
- Mädchen und Frauen brauchen konsequenten Schutz.
- Jungen und Männer brauchen gezielte Aufklärung, Reflexion und Präventionsangebote.
Denn Gewaltprävention ist keine einseitige Aufgabe. Sie bedeutet auch, Täterarbeit ernst zu nehmen, Männlichkeitsbilder zu hinterfragen und Verantwortung einzufordern. Wenn wir wollen, dass die Scham tatsächlich die Seite wechselt, dann müssen wir konsequent handeln – politisch, institutionell und gesellschaftlich.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Myriam Schrank
| Für Rückfragen: | |
| Myriam Schrank | Tel: +49 (0) 40 8835 6630 (mobil) [Tel.-Nr. ist mobil per Direkt-Click wählbar] myriam.schrank@linksfraktion-eimsbuettel.de |
| Fraktionsbüro | c/o DIE LINKE. Fraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel Kieler Straße 689, Hinterhaus, 22527 Hamburg Tel: +49 (0) 40 4902 5005 [Tel.-Nr. ist mobil per Direkt-Click wählbar] |
Hier erhalten Sie diese Rede in der Aktuellen halben Stunde der Bezirksversammlung vom 26.03.2026 📌 als Download-PDF.
Weitere Dokumente als PDF sowie Fotos zur freien Verwendung erhalten Sie per Download in unserem virtuellen Presseraum:
https://bit.ly/presseraum-die-linke-fraktion-eimsbuettel
DIE LINKE. Fraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel
Medienverantwortlicher: Roland Wiegmann +49 (0) 40 4902 5005
mailto: presse01@linksfraktion-eimsbuettel.de
Kieler Straße 689, 22527 Hamburg
Anträge mit thematisch engem Bezug der selben Bezirksversammlung erhalten Sie hier:
- Antrag-Eimsbüttel zeigt Haltung–Gemeinsam gegen Sexismus-Drs-22-1903-Grüne-SPD-Volt.pdf
- Antrag-Änderungsanstrag-Schrank-Eimsbüttel zeigt Haltung–Gemeinsam gegen Sexismus-Drs-22-1981-Linke.pdf
Weitere Dokumente als PDF sowie Fotos zur freien Verwendung erhalten Sie per Download in unserem virtuellen Presseraum:
https://bit.ly/presseraum-die-linke-fraktion-eimsbuettel
DIE LINKE. Fraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel
Medienverantwortlicher: Roland Wiegmann +49 (0) 40 4902 5005
mailto: presse01@linksfraktion-eimsbuettel.de
Kieler Straße 689, 22527 Hamburg

